• Psychoanalyse und Homosexualität: Das Coming Out

    PSYMsC() klin.: Dr. Gschwind

    Goethe Universität Frankfurt

  • Einleitung

  • Der gewöhnliche Homosexuelle von Martin Dannecker und Reimut Reiche aus dem Jahr 1974

    Eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik

  • Coming Out 2005

  • Diskussion

  • Literaturverzeichnis:

    Karl Heinrich Ulrichs: „Gladius furens“: das Naturrätsel der Urningsliebe und der Irrtum als Gesetzgeber: eine Provokation an den deutschen Juristentag. sechste Schrift über mannmännliche Liebe. Max Spohr, 1898

    Schlegel, W.S., (). Die Sexualinstinkte des Menschen.

    Hirschfeld, M., (1920). Die Homosexuaität des Mannes und des Weibes. Berlin.

  • “Kein Mensch wird heutzutage ungestraft homosexuell” (Dennecker, Reiche, 1974, S. 33)

    Dennoch sind dadurch nicht alle Coming Out Probleme beseitigt, die Neugier, der “Willen zum Wissen” konzentriert sich stark auf die Konflikte mit der Gesellschaft die sich um sexuelle Themen drehen. Dabei geht es auch nicht um bloße Neugierde, sondern um herauszufinden in welche Schublade ein Mensch gesteckt werden sollte. Diese Schubladen beinhalten Vorurteile. Im kleinen kenne ich das Gefühl unpassenden Vorurteilen ausgesetzt zu sein, seltsamerweise erkennen mich einige Menschen als arroganten Macho und einige als Homosexuellen. Beide Kategorien fühle ich mich nicht zugehörig und beide bereiten mir ein unangenehmes Gefühl. Als

    • In dieser Hausarbeit behandele ich das Thema “Coming Out” bei homosexuellen Männern. Der Begriff “Coming Out” stammt aus England und wurde ursprünglich für die Einführung von Töchtern der Aristokratie in die Gesellschaft verwendet. Von diesem Moment an, galten sie als heiratsfähig. Das Coming Out wurde entsprechend gebührend zelebriert. Jede größere Stadt in Amerika veranstaltet, anscheinend heute noch, einen eigenen Debütantinnenball. In Großbritannien erklärte Königin Elisabeth II. diese Vorstellung 1958 für nicht mehr zeitgemäß. Strukturell erinnert dieses “Coming Out” an die Initiationsriten, wie sie ihn zahlreichen Kulturen in verschiedener Ausprägung vorkommen.

      Die Herkunft des Begriffs fängt die, von mir wahrgenommene, öffentliche Meinung über den Prozess des Comings Out präzise ein. Der homosexuelle Mann findet den Mut zu seiner sexuellen Identität zu stehen und gibt es öffentlich bekannt.

      In der homosexuellen Community wurde der Begriff schon vor dem ersten Weltkrieg benutzt, allerdings beschrieb er ein Ereignis, welches man einen schwulen debutantenen Ball nennen könnte. Es war eine Feier in der “neue” Homosexuelle der homosexuellen Gemeinschaft in der Vorkriegszeit formal vorgestellt wurden. Über die schwulen Debütantinnen Bälle wurde oft in Zeitungen berichtet, und dementsprechend öffentlich. Der Begriff trug damals keine Implikationen über, ob der Homosexuelle seine Sexualität vorher geheim gehalten hat oder nicht. Es existierten andere Redewendungen über die Geheimhaltung und Offenbarung der Homosexualität die nur andere Homosexuelle verstehen konnten.

      Vor 1950 beschrieb der Begriff eher eine Einführung in eine wohlgesonnene, hoffnungsvolle, schwule Gemeinschaft. Nach den Stonewall Unruhen lag der Fokus eher auf dem Verlassen der Unterdrückung.

      Die “closet” Metapher (coming out of the closet) ist eine oft genutzte Metapher die, wahrscheinlich, eine Erweiterung der Metapher “skeletons in the closet” ist. Ob die “sceletons” aus dem Gefühl der Homosexuellen oder der Homosexuellengegner entstammte lässt sich wohl nicht mehr zurückverfolgen. “Coming Out of the closet” scheint eine Mischung aus dem Coming Out der Debutantinnen und aus der “closet” Metaphor zu sein.

      Das erste “Coming Out” (in diesem Sinne), war 1867 auf dem deutschen Juristentag vor 500 Zuhörern, die, Karl Heinrich Ulrichs nicht einmal zu ende reden ließen.

      „Bis an meinen Tod werde ich es mir zum Ruhme an rechnen, daß ich am 29. August 1867 zu München in mir den Muth fand, Aug’ in Auge entgegenzutreten einer tausendjährigen, vieltausendköpfigen, wuthblickenden Hydra, welche mich und meine Naturgenossen [gemeint: homosexuelle Männer] wahrlich nur zu lange schon, mit Gift und Geifer bespritzt hat, viele zum Selbstmord trieb, ihr Lebensglück allen vergiftete. Ja, ich bin stolz, daß ich ‘die Kraft fand, der Hydra der öffentlichen Verachtung einen ersten Lanzenstoß in die Weichen zu versetzen.“

      Das Verbot von Homosexualität wurde im römischen Reich durch die Kirche initiiert. Das Verbot hielt auf vielen Teilen der Welt bist in das 20te Jahrhundert an. Nur einige Länder, wie z.B. Frankreich, haben die Bestrafung früher (1791) abgeschafft. Die nächste große Welle der Veränderung kam um 1968, als Konsequenz der Stonewall Unruhen in New York. Polizisten führten eine Razzia in der Bar “Stonewall Inn” in der “Christopher Street” durch. Es war das erste Mal, dass sich viele Homosexuelle der Verhaftung widersetzten. In den sechziger Jahren wurden viele gewalttätige Razzien in Schwulenlokals durchgeführt, die Besucher angeklagt und ihre Identität veröffentlicht. Die Razzia des Stonewall Inns war besonders, da eine Woche zuvor Jury Garland gestorben war. Sie war eine kulturelle Ikone für viele Homosexuelle. Ihre Beerdigung wurde von 22000 Menschen besucht, darunter waren 12000 Homosexuelle. Dieser und weitere Umstände liessen die Razzia, die durchaus üblich waren, eskalieren. Der Christopher Street Day wurde im folgenden Jahr organisiert und dient heute noch als Andenken an diesen Wendepunkt der Geschichte. Ein weiterer Wendepunkt war der Tod von Harvey Milk, der der erste offen schwule Politiker der USA war. Er, und der damalige Bürgermeister von San Francisco George Moscone, wurde von dem ehemaligen Stadtrat Dan White im Rathaus erschossen. Das Urteil lautete nur sieben Jahre Gefängnis wegen Totschlags und verursachte schwere Zusammenstöße zwischen Schwulen und der Polizei. Die Polizei stürmte das überwiegend homosexuelle Castro Viertel und zerstörte die Einrichtung mehrerer schwulen Bars und Harvey Milks Geschäft.

      Die Welt brauchte wohl diese Art von Coming Out. Tragische Momente, an denen sich die Gesellschaft reiben kann, drüber diskutieren kann und sich letztendlich teilen kann.

      Nach den Stonewall Unruhen und Harvey Milk konnte der Kampf um die Gleichberechtigung auf ein anderes Schlachtfeld wechseln. Dannecker und Reiche sind vielleicht die Begründer dieses Schlachtfelds, auf dem wissenschaftliche Herleitung, Beweise und Rationalität die Waffen der Wahl sind.

    • “Die gesellschaftliche Ächtung der Homosexuellen dauert an” schreiben Dannecker und Reiche. Sie beginnen 1974 das Kapitel “Coming Out” mit diesem Satz. “Aus kriminellen sind Kranke geworden”. Die Schreibweise ist wütend und zynisch, verständlich und direkt. Sie spiegelt die Attitüde der Autoren gegenüber der Gesellschaft wider. Der Inhalt spiegelt die Attitüde der Gesellschaft. Aversionstherapien mit Elektroschocks sind dabei die Spitze des Eisberges. “Das wissenschaftliche Interesse [an der Homosexualität] gilt ausschliesslich ihrer “Devianz” und deren Entstehung.” (Dannecker, Reiche, 1974, S. 25). Dieses Interesse wird noch lange bestehen bleiben, anders wäre ein Text wie der von Cohler und Galatzer-Levy (2000): “The Course of Gay and Lesbian Lives” kaum erklärbar. Der Artikel rechnet, ähnlich wie Dennecker und Reiche, mit den verschiedenen Meinungen, über dieses Thema, ab.

      Die Erklärungen, denen sich Dannecker und Reiche entgegenstellen sind aus heutiger Sicht fremd:

      Nach Schlegel () gibt es zwei konstitutionelle Leittypen: der Typus mit einem engen Beckenausgang und der Typus mit einem weiten Beckenausgang. Diese beiden “Typen” bekamen Attribute wie “Herrschaftsanspruch, Sachbestimmtheit, Unterordnungsbedürfnis und Unbeständigkeit”. Die Homosexuellen liegen seiner Meinung nach genau in der Mitte. Witzigerweise befürwortet er homosexuelle Kontakte im Jugendalter und fördert sie in dem er heterosexuelle Kontakte im Jugendalter als sozischädlich beschreibt.

      Alternativ zu Schlegel, gibt es die Meinung, dass die Homosexualität das Resultat einer Familienkonstellation ist, bei der die Ablösung des Kindes von der Mutter, durch eine angstbeherrschte Identifikation, mit Derselbigen verhindert wird. Diese Meinung wird von den Autoren als trügerisch Fortschrittlich angesehen. Sie impliziert, dass einer nur gesund sein kann, wenn er heterosexuell ist. Dabei ist es deutlich, dass eine bestimmte Familienkonstellation keine Kausalität in der sexuellen Orientierung vorweisen kann. Die sexuelle Orientiertung wird nämlich nicht im Kindesalter beschlossen, sondern zwischen 14 und 17. im Kindesalter wird ein Triebschicksal verankert, das bedeutet eine Disposition erworben aber keine Determination.

      Der Unterschied zwischen Disposition und Determination erlaubt einen Einblick in die Komplexität des Themas. Denn viele Männer die im späteren Verlauf ihres Lebens homosexuell leben, verfolgten als Teenager heterosexuelle Beziehungen. Genauso wie zwei Jungs eine homosexuelle Beziehung im Jugendalter verfolgen können und später ausschliesslich heterosexuelle Beziehungen eingehen. Die verschiedenen Konstellationen und Schicksale sind zahlreich. Sie drängen der Frage nachzugehen: Wann ist ein Mann homosexuell?

      “Es wird einer dann zum Homosexuellen, wenn er sich selbst eingestehen kann, dass er homosexuell ist, dass heisst, “seine Identität durch ein inneres Wissen erwirbt”” (Dannecker, Reich, 1974, S. 32).

      Dieses Zitat dient uns ebenfalls bei der Erkundung des Begriffs Coming Out. Es beschreibt das “innere” Coming Out. Das “äußere” Coming Out, bezeichnet das Coming Out in der Öffentlichkeit, das Coming Out welches am nächsten verwandt mit dem ursprünglichen Coming Out aus der Einleitung ist.

    • Das Innere Coming Out

      Es ist schwierig ein psychologischen Prozess wie das “Coming Out” zu unterteilen. Unzählige Interaktionen zwischen dem “äußeren” und dem “inneren” sprechen dagegen. Dennoch, denke ich, kann das “äußere” nur verstanden werden, wenn die Problematik des “inneren” bewusst ist. Dieser Abschnitt nährt sich hauptsächlich aus der Perspektive von Dannecker und Reich im Jahre 1974.

    • Das “Äußere” Coming Out

      In diesem Abschnitt wagen wir einen kleinen Zeitsprung um ca. 30 Jahre in die Zukunft. Vieles hat sich in den Jahren verändert, Einiges ist gleich geblieben. Die wahrscheinlich größter Veränderung die den Coming Out Prozess beeinflusst war, mit Sicherheit, das Internet. Viele der angesprochenen Herausforderungen die Homosexuelle in den 70ern belasteten sind in der heutigen Zeit nicht mehr gegenwärtig. Egal wie abgeschnitten man von dem Rest der Welt ist, wie klein und konservativ das Dorf ist, solang es eine Internetanbindung hat, kann man mit anderen Homosexuelle Kontakt aufbauen. Natürlich soll das nicht den persönlichen Kontakt ersetzen, aber es löscht das anfängliche Gefühl alleine anders zu sein. Man kann nicht nur in persönlichen Kontakt treten, sondern auch berühmte, erfolgreiche homosexuelle Vorbilder finden, die den Prozess zur eigenen Akzeptanz vereinfachen dürften.
      Das Buch, “Coming Out” von Volker Woltersdorf (2005) dient mir als Vorlage für diesen Abschnitt. Der Untertitel “Die Inszenierung schwuler Identitäten zwischen Auflehnung und Anpassung” gibt uns schon einen ersten Hinweis auf die veränderte Perspektive die 30 Jahre mit sich brachten. Es handelt von der “Inszenierung” der schwulen Identität. Inszenierung bedeutet die öffentliche Darstellung von etwas, häufig ein Theaterstück oder eine Oper. Im diesem Fall ist aber die Selbstinszenierung gemeint, die Selbstdarstellung, die Darstellung der eigenen Person in der Öffentlichkeit. Das Buch dreht den Fokus vom inneren Coming Out auf das Äußere.

    • Aids als Zäsur

      “Der Junimorgen veränderte sämtliche Regungen. Wenn man mit schönen Männern sprach, trat man ein paar Zentimeter zurück, nahm sie mit Entsetzen wahr. Die begehrten, die interessanten Menschen konnten die Todesengel sein.” (Spiegel, 1983)
      Die gewonnen Freiheiten wurden wieder bedroht. Die Homosexuellen hatten sich Freiräume erkämpft sich über Mode, Musik, Travestie zeigen durfte. Mit dem Einbruch von Aids wurden, nicht die Homosexualität als Krankheit, aber die Homosexuellen als gefährlich Kranke eingestuft. Einige Homosexuelle mussten eine zweite Coming Out Phase einräumen. Ein Coming Out was wie bei der Offenbarung der eigenen Sexualität erhebliche Nachteile mit sich bringen könnte.

      Die Sexualwissenschaftler sind sich uneinig ob Aids einen negativen oder positiven Einfluss auf die Stellung der Homosexuellen in der Gesellschaft hatte. Die Safer-Sex Kampagnen erleichterten es über Sexualität und besonders über schwule Sexualität zu sprechen. Andere sehen in Aids sogar einen Moment der Normalisierung genährt durch das Mitleid der Gesellschaft.

    • Meine Ansichten (working title)

      Stark Verkürzt beschrieben ist der “Coming Out” Prozess erstens die Integration von Eigenschaften die konträr zu der Norm der Gesellschaft sind, und zweitens die Inszenierung der Selbigen. Die Homosexualität zählt dazu, weil wir in einer heteronormativen Gesellschaft leben. Allerdings zählen, in den Augen der Gesellschaft, auch andere Dinge als unnormal und benötigen ebenso den Coming Out Prozess bevor ein konfliktloser Umgang möglich ist. Ein Junge, dessen Familie seit 10 Generationen Ärzte sind, macht beispielsweise einen ähnlichen Prozess durch, wenn er lieber Flötist werden möchte. Einige Familien haben bestimmt auch Vorurteile gegenüber Flötisten. Der Unterschied liegt eher darin, dass es eine Familieninterne Thematik ist und dadurch nicht ein so hoher Druck aufgebaut werden kann, als wenn der Rest der Gesellschaft gleicher Meinung ist.

      Heutzutage ist jegliches Coming Out einfacher. Das Internet bietet uns ohne großen Aufwand eine Plattform auf der jeder mit Leichtigkeit Gleichgesinnte finden kann. Ob es sich um ein Berufswechsel oder einen Fetisch handelt ist dabei relativ egal, im Internet findet man jemanden der ein Buch darüber geschrieben hat. Nichtsdesto trotz muss es schwierig sein für Menschen die in so Grundsetzlichen Eigenschaften, wie der Sexualität, sich von der Norm unterscheiden. Auch heute noch, bei jungen Leuten, beobachte ich immer wieder eine passive homophobe Einstellung. Ob es der Student ist, der sagt: “mir ist es egal ob jemand schwul ist, solange sie sich nicht vor mir zeigen”. Oder die Familienmitglieder die sich nur nach den heterosexuellen Partnern ihrer Kinder erkundigen. Auch in politischen geschehen ist es beobachtbar, solange der Homosexuelle gewisse Vorurteile erfüllt, ist es kein Problem. Diese Schablone, die für Homosexuelle bereit steht lässt sich überspitzt gesprochen als Clown bezeichnen. Wenn einer diese Schablone nicht mehr bedient, wird er bekämpft: Guido Westerwelle war der dritte deutsche homosexuelle Spitzenpolitiker aber der erste der seinen Partner auch auf öffentlichen Veranstaltungen mitnahm. Zeitgleich wurde sein Erfolg als Politiker weniger.

    • Erstes Aufflackern der Triebrichtung

      Hirschfeld (1920) befragte 500 homosexuelle Männer nach “dem ersten Auftreten gleichgeschlechtlicher Regungen”. 54% der Befragten lagen im Altersbereich zwischen 4 und 13 Jahren. Die Psychoanalyse, ging laut Dennecker und Reich, von einer “Genesis” der Homosexualität in der prä-ödipalen Phase aus. Die Befragten unterliegen dabei der Macht ihrer eigenen Narrative. Tendenziell wird die erste bewusst wahrgenommene Regung als Ursprung erkannt und mit Wichtigkeit geladen. “Auch dann, wenn die ersten homosexuell gefärbten Objektbeziehungen nicht lange vor dem Ausbruch der Pubertät angesiedelt werden.” (Dannecker, Reiche, 1974, S. 35) Die hohe Motivation einen lückenlosen, homosexuellen, Narrativ zu gestalten, stammt aus dem Gefühl, über ihre sexuelle Orientierung Rechenschaft abgeben zu müssen. Die Konsequenz ist ein glatt gebügelter Narrativ, der dem Bewusstsein eine Kontinuität zugestehen soll. Dabei sind wohl Phasen der Ungewissheit die Norm, und überdauern häufig mehrere Jahre. Mit 16 Jahren stellten sich erst zwei Drittel die Frage ob sie homosexuell seien. Mein Eindruck ist, dass diese Frage von vielen vermieden wird, bis sie nicht mehr vermieden werden kann. Der nächste Schritt ist ein umschreiben des eigenen Narrativs. Die Spätentwickler, damit sind diejenigen gemeint die erst spät ihre Homosexualität erkennen, verdrängen die unsichere Phase und erleben die Entwicklung (die in der Regel Jahre dauert) von der ersten Idee bis zur subjektiven Gewissheit, im Schnelldurchlauf. Die Umschreibung des Narrativs macht es möglich. Andere sehen die homosexuellen Kontakte als pubertäre Verirrung, bis diese Abspaltung nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.

      Erste Homosexuelle Kontakte

      Bereits im Alter von 16 Jahren, können 50% der Befragten auf homosexuelle Kontakte zurückblicken. Mit 20 Jahren sind es mehr als 80%. Durchschnittlich geht die erste Idee dem ersten Kontakt zeitlich vorraus. 20 % der Befragten erschliessen eine eigene Gruppe, sie gaben an, dass der erste Kontakt der ersten Idee, vorrausging. Die ersten Kontakte dieser Gruppe, so Dannecker und Reiche (1974), laufen nahezu Konfliktlos ab. Konfliktlos, weil sie die eigene sexuelle Orientierung effektiv abspalten können. Sie sind noch “normal”, nicht anders als der Rest der Gesellschaft. 18 % von befragten Studenten haben im Alter zwischen 12 und 18 homosexuelle Erlebnisse, ebensoviele haben heterosexuelle Erlebnisse. Kein Grund zur Sorge.
      Der erste homosexuelle Kontakt wird von vielen als etwas Fremdes, als pubertäre Verirrung oder Spielerei angesehen. Auf die Frage: “Würden Sie den ersten Sex mit einem Mann, von Ihrer heutigen Erfahrung aus betrachtet, als homosexuelles Sexualerlebnis bezeichnen?” antworteten 36% der Befragten mit “Nein”. Objektiv gesehen unterscheidet sich das Sexualerlebnis nicht mit den späteren als homosexuell angesehenen Sexualerlebnissen. Der Unterschied liegt im Fortschritt des inneren Coming Outs. Je weiter fortgeschritten das Coming Out ist, desto leichter werden Sexualerlebnisse auch als homosexuell angesehen. Die sexuellen Erfahrungen die auch im nachhinein als homosexuell angesehen werden, dürften, laut Dannecker und Reiche (1974), affektiv gefärbt sein, und nicht nur bloße körperliche sexuelle Verrichtungen.

      Ein bedeutender Unterschied zwischen der Entwicklung von Heterosexuellen zu Homosexuellen ist, dass die Entwicklung bei Homosexuellen in Sprüngen stattfindet. Bei Heterosexuellen ist eine kontinuierliche Steigerung zu beobachten. Die Mühelosigkeit in der homosexuelle Erfahrungen stattfinden, lässt viele, auch später ausschliesslich Heterosexuelle, solche Erfahrungen sammeln. Die frühen homosexuellen Kontakte finden in der Regel vor der Einheit von Bewusstsein und Trieb statt. Dadurch können sie pubertäre Verirrungen sein und bleiben, für andere … mehr.

      Subjektive Gewißheit

      Der Weg von der ersten Idee über die eigene Homosexualität (16,4 Jahre) bis zur subjektiven Gewissheit (19,4 Jahre), dauert im Durchschnitt 3 Jahre. Im Alter von 20 Jahren gelang es 32% immer noch nicht ihre Triebrichtung anzunehmen. Selbstzweifel mischen oder entspringen der Hoffnung doch heterosexuell zu sein, und wenn nicht heterosexuell dann bisexuell. Die Bisexualität bietet einen Ausweg: die Theorie der “allgemeinen Bisexualität” besagt, dass ohne externe Einwirkungen alle Menschen bisexuell wären. Der Homosexuelle kann diese Theorie benutzen und den Eindruck der Anderen ins positive drehen, da er die Zwangsheterosexualität überwunden konnte.
      Der individuelle Umgang mit der Gewißheit über die eigene Sexualität ist oftmals kein “aufblühen” wie man es sich wünschen würde, sondern eher eine Resignation. Der Kampf zwischen den internalisierten Normen und den Triebwünschen resultiert, in diesem Szenario, nicht in einer Aktualisierung der Normen, sondern in der Aufgabe ihnen zu entsprechen. Der Homosexuelle, der jetzt zum ersten mal den homosexuellen Kontakt als Teil von ihm selbst erleben könnte, ist geplagt mit Gewissensbissen und Schuldgefühlen. Faktoren wie Erziehungsstil und Umfeld spielen dabei die größten Rollen.

      Positiv auf die Entwicklung und auf die Gewißheit wirken Gespräche mit anderen Homosexuellen. Oft ist es die erste Erfahrung als Homosexueller geschätzt zu werden. Diese Erfahrung konnte, in der Regel, nur mit anderen Homosexuellen gemacht werden. “Nur 10% wagten es in dieser Phase ihrer Entwicklung, Vater oder Mutter, von ihrer Homosexualität zu unterrichten; weitere 6% informierten ihre Geschwister” (Dannecker, Reichen, 1974).

      Das Verheimlichen der eigenen Triebrichtung im Alltag hinterlässt einigen Homosexuellen eine Tendenz, die beim Eintritt in die homosexuelle Subkultur sich entfaltet: Eine Spaltung des Menschen in eine offizielle, heterosexuelle Person und eine inoffizielle, homosexuelle Person. Der Unterschied zu vorherigen Entwicklungsphasen ist, dass die Trennung bewusst passiert. Wo vorher unbewusste Anpassung war, arbeitet jetzt unauffäliges Taktieren.
      Der Homosexuelle sieht sich also durch die feindlich gesinnte Umgebung gezwungen, einen Teil ihrer selbst zur “Persona non grata” zu erklären.

      Herauskommen aus der Isolierung - Hineingehen in die Isolation

      Erst mit durschnittlich 21,5 Jahren fangen die Befragten an freundschaftliche Kontakte zu anderen Homosexuellen zu führen. Diese Phase folgt (wieder) zwei Jahre nach der vorherigen, der Phase der subjektiven Gewissheit. “Wenigstens bruchstückenhaft muss eine Selpstabkzeptierung gelungen sein. Vorher besteht keine Aussicht, in einer psycho-sozialen Situation zu bestehen, deren auffallendstes Merkmal die Verabsolutierung der Dimension der Sexualität ist.” (Dannecker, Reich, 1974, S. 63). Der Prozess des “Coming Out” ist erst mit der Aufnahme sozio-sexueller Kontakte zu anderen Homosexuellen abgeschlossen. Erst durch den Kontakt kann die partielle Abweichung aus dem Normen- und Wertgefüges der Gesellschaft aufgefangen werden. Die folgende Entwicklungen des Homosexuellen sind im Vergleich unwesentlich. Er wird an den “kollektiven homosexuellen Überbau” angeschlossen und ist aus der individuellen Isolation befreit.

    • Zwischen Verstecken und Zeigen

      Homosexualität gilt nicht mehr als Verbrechen und auch nicht mehr als Krankheit. Die Problematik homosexuell zu sein hat stark abgenommen. Dennoch gibt es Themen die es Homosexuellen nach wie vor schwer macht, besonders in der Interaktion mit der Gesellschaft. Und solange wir in einer heteronarrativen Gesellschaft leben, liegt der Homosexuelle in einer Art “Bringschuld” den Unterschied von sich zur Gesellschaft zu erklären.

      Dannecker und Reiche (1974) redeten von einer Abspaltung der Homosexualität die zur Persona non grata erklärt wurde. Heutzutage ist es nicht mehr notwendig diese Seite soweit zu verheimlichen, es ist aber dennoch privat. Jeder kann, und viele machen es, an einem Spiel teilnehmen. Das Spiel herauszufinden welche sexuelle Neigung jemand, den man nicht gut kennt, hat. Die Homosexuellen müssen daran teilnehmen, sie haben die Schwierigkeit, dass die Mehrzahl an Männern nicht als sexueller oder romantischer Partner in Frage kommt. Der Rest macht dies aus Interesse, aus Neugier, die tief in die Privatsphäre einer Person eindringen will. Vermutungen werden gemeinsam ergründet, er ist schwul weil …. er ist hetero weil..
      Die Gründe sind dabei abenteuerlich und oft schwanger mit wertenden Beobachtungen. Es gleicht einem kleinen Spektakel: Freunde, Bekannte, Familienmitglieder reihen sich gehorsam in die verschiedenen Schubladen die ihre Reaktion diktieren soll. Überraschung, Akzeptanz, Zuspruch, Empörung, Ignoranz, Enttäuschung und viele mehr, jede wiederum versehen mit kleinen Nuancen die zart an jedem ungeübten Ohr vorrüber gehen. Die Ursache für diese Neugier ist die Abweichung von der heterosexuellen Norm der Gesellschaft. Dieser “Willen zum Wissen” zwingt den Homosexuellen die Abweichungen zur Norm zu erläutern, und ohne den Prozess aufhalten zu können, zu seiner Identität gemacht werden. In dem der Homosexuelle diesen Erwartungen folgt unterwirft er sich seinen Zuhörern.
      Folgt er den Erwartungen nicht, dann bekommt er gewissen Stempel aufgedrückt, die von verklemmt bis hin zur Teilnahme an “typisch homosexuelle Praktiken” reichen, über die sie selber nicht zu sprechen wagen. Der Homosexuelle wird dadurch in die Rolle des Aussenseiters in der “heteronarrativen Ordnung”.

      Der Coming Outler kann die Erwartungen der Zuhörer umgehen, in dem er die “Diskurstraditionen” bricht und neue Möglichkeiten findet über sich und seine Sexualität zu reden.

      Die Schwierigkeit liegt weniger in der Frage, wie erzählt man den Anderen von der eigenen Homosexualität, als darin, wie erzählt man den Anderen von der eigenen Homosexualität, ohne dass die eigene Identität darauf reduziert wird. Es bleibt nicht nur bei der Reduktion auf die Sexualität, viel mehr bietet sie dem “Normalen” eine Projektionsfläche, all die Vorurteile an einen Menschen zu heften.

      Woltersdroffs (2005) Fazit ist ambivalent. Das Ausbilden einer Identität ist ein narzisstischer Triumph und eine narzisstische Kränkung zugleich. Er sieht den Prozess des Coming Out als gemeinschaftliche Bewegung gegen das Verlangen zur Normalisierung. Eine Konsequenz davon ist, dass Teile der homosexuellen Subkultur zur Übertreibung der ihnen entgegengebrachten Vorurteile neigen. Treffend wurde das in dem Musical “La cage au folle” in Bonn (ein Käfig voller Narren) inszeniert, in dem ein homosexuelles Paar ein Nachtclub mit Drag-Programm betreibt und sich, vor der nächste Showeinlage, zum Publikum dreht und sagt: “[…] all Ihre Phantasien, Vorurteile und Gerüchte. Wir werden uns bestes geben diese zu übertreffen.”

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In Großbritannien erklärte Königin Elisabeth II. diese Vorstellung 1958 für nicht mehr zeitgemäß. Strukturell erinnert dieses \"Coming Out\" an die Initiationsriten, wie sie ihn zahlreichen Kulturen in verschiedener Ausprägung vorkommen.\n\nDie Herkunft des Begriffs fängt die, von mir wahrgenommene, öffentliche Meinung über den Prozess des Comings Out präzise ein. Der homosexuelle Mann findet den Mut zu seiner sexuellen Identität zu stehen und gibt es öffentlich bekannt. \n\nIn der homosexuellen Community wurde der Begriff schon vor dem ersten Weltkrieg benutzt, allerdings beschrieb er ein Ereignis, welches man einen schwulen debutantenen Ball nennen könnte. Es war eine Feier in der \"neue\" Homosexuelle der homosexuellen Gemeinschaft in der Vorkriegszeit formal vorgestellt wurden. Über die schwulen Debütantinnen Bälle wurde oft in Zeitungen berichtet, und dementsprechend öffentlich. Der Begriff trug damals keine Implikationen über, ob der Homosexuelle seine Sexualität vorher geheim gehalten hat oder nicht. Es existierten andere Redewendungen über die Geheimhaltung und Offenbarung der Homosexualität die nur andere Homosexuelle verstehen konnten.\n \nVor 1950 beschrieb der Begriff eher eine Einführung in eine wohlgesonnene, hoffnungsvolle, schwule Gemeinschaft. Nach den Stonewall Unruhen lag der Fokus eher auf dem Verlassen der Unterdrückung.\n\nDie \"closet\" Metapher (coming out of the closet) ist eine oft genutzte Metapher die, wahrscheinlich, eine Erweiterung der Metapher \"skeletons in the closet\" ist. Ob die \"sceletons\" aus dem Gefühl der Homosexuellen oder der Homosexuellengegner entstammte lässt sich wohl nicht mehr zurückverfolgen. \"Coming Out of the closet\" scheint eine Mischung aus dem Coming Out der Debutantinnen und aus der \"closet\" Metaphor zu sein. \n\nDas erste \"Coming Out\" (in diesem Sinne), war 1867 auf dem deutschen Juristentag vor 500 Zuhörern, die, Karl Heinrich Ulrichs nicht einmal zu ende reden ließen. \n\n„Bis an meinen Tod werde ich es mir zum Ruhme an rechnen, daß ich am 29. August 1867 zu München in mir den Muth fand, Aug' in Auge entgegenzutreten einer tausendjährigen, vieltausendköpfigen, wuthblickenden Hydra, welche mich und meine Naturgenossen [gemeint: homosexuelle Männer] wahrlich nur zu lange schon, mit Gift und Geifer bespritzt hat, viele zum Selbstmord trieb, ihr Lebensglück allen vergiftete. Ja, ich bin stolz, daß ich 'die Kraft fand, der Hydra der öffentlichen Verachtung einen ersten Lanzenstoß in die Weichen zu versetzen.“\n\nDas Verbot von Homosexualität wurde im römischen Reich durch die Kirche initiiert. Das Verbot hielt auf vielen Teilen der Welt bist in das 20te Jahrhundert an. Nur einige Länder, wie z.B. Frankreich, haben die Bestrafung früher (1791) abgeschafft. Die nächste große Welle der Veränderung kam um 1968, als Konsequenz der Stonewall Unruhen in New York. Polizisten führten eine Razzia in der Bar \"Stonewall Inn\" in der \"Christopher Street\" durch. Es war das erste Mal, dass sich viele Homosexuelle der Verhaftung widersetzten. In den sechziger Jahren wurden viele gewalttätige Razzien in Schwulenlokals durchgeführt, die Besucher angeklagt und ihre Identität veröffentlicht. Die Razzia des Stonewall Inns war besonders, da eine Woche zuvor Jury Garland gestorben war. Sie war eine kulturelle Ikone für viele Homosexuelle. Ihre Beerdigung wurde von 22000 Menschen besucht, darunter waren 12000 Homosexuelle. Dieser und weitere Umstände liessen die Razzia, die durchaus üblich waren, eskalieren. Der Christopher Street Day wurde im folgenden Jahr organisiert und dient heute noch als Andenken an diesen Wendepunkt der Geschichte. Ein weiterer Wendepunkt war der Tod von Harvey Milk, der der erste offen schwule Politiker der USA war. Er, und der damalige Bürgermeister von San Francisco George Moscone, wurde von dem ehemaligen Stadtrat Dan White im Rathaus erschossen. Das Urteil lautete nur sieben Jahre Gefängnis wegen Totschlags und verursachte schwere Zusammenstöße zwischen Schwulen und der Polizei. Die Polizei stürmte das überwiegend homosexuelle Castro Viertel und zerstörte die Einrichtung mehrerer schwulen Bars und Harvey Milks Geschäft.\n\nDie Welt brauchte wohl diese Art von Coming Out. Tragische Momente, an denen sich die Gesellschaft reiben kann, drüber diskutieren kann und sich letztendlich teilen kann. \n\nNach den Stonewall Unruhen und Harvey Milk konnte der Kampf um die Gleichberechtigung auf ein anderes Schlachtfeld wechseln. Dannecker und Reiche sind vielleicht die Begründer dieses Schlachtfelds, auf dem wissenschaftliche Herleitung, Beweise und Rationalität die Waffen der Wahl sind."},{"_id":"491b8180eb7f8afd7300004c","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":684304,"position":1.75,"parentId":null,"content":"Der gewöhnliche Homosexuelle von Martin Dannecker und Reimut Reiche aus dem Jahr 1974\n\nEine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik"},{"_id":"493340cac82bd2bcbd000058","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":724888,"position":1,"parentId":"491b8180eb7f8afd7300004c","content":"\"Die gesellschaftliche Ächtung der Homosexuellen dauert an\" schreiben Dannecker und Reiche. Sie beginnen 1974 das Kapitel \"Coming Out\" mit diesem Satz. \"Aus kriminellen sind Kranke geworden\". Die Schreibweise ist wütend und zynisch, verständlich und direkt. Sie spiegelt die Attitüde der Autoren gegenüber der Gesellschaft wider. Der Inhalt spiegelt die Attitüde der Gesellschaft. Aversionstherapien mit Elektroschocks sind dabei die Spitze des Eisberges. \"Das wissenschaftliche Interesse [an der Homosexualität] gilt ausschliesslich ihrer \"Devianz\" und deren Entstehung.\" (Dannecker, Reiche, 1974, S. 25). Dieses Interesse wird noch lange bestehen bleiben, anders wäre ein Text wie der von Cohler und Galatzer-Levy (2000): \"The Course of Gay and Lesbian Lives\" kaum erklärbar. Der Artikel rechnet, ähnlich wie Dennecker und Reiche, mit den verschiedenen Meinungen, über dieses Thema, ab. \n\nDie Erklärungen, denen sich Dannecker und Reiche entgegenstellen sind aus heutiger Sicht fremd:\n\nNach Schlegel () gibt es zwei konstitutionelle Leittypen: der Typus mit einem engen Beckenausgang und der Typus mit einem weiten Beckenausgang. Diese beiden \"Typen\" bekamen Attribute wie \"Herrschaftsanspruch, Sachbestimmtheit, Unterordnungsbedürfnis und Unbeständigkeit\". Die Homosexuellen liegen seiner Meinung nach genau in der Mitte. Witzigerweise befürwortet er homosexuelle Kontakte im Jugendalter und fördert sie in dem er heterosexuelle Kontakte im Jugendalter als sozischädlich beschreibt. \n\nAlternativ zu Schlegel, gibt es die Meinung, dass die Homosexualität das Resultat einer Familienkonstellation ist, bei der die Ablösung des Kindes von der Mutter, durch eine angstbeherrschte Identifikation, mit Derselbigen verhindert wird. Diese Meinung wird von den Autoren als trügerisch Fortschrittlich angesehen. Sie impliziert, dass einer nur gesund sein kann, wenn er heterosexuell ist. Dabei ist es deutlich, dass eine bestimmte Familienkonstellation keine Kausalität in der sexuellen Orientierung vorweisen kann. Die sexuelle Orientiertung wird nämlich nicht im Kindesalter beschlossen, sondern zwischen 14 und 17. im Kindesalter wird ein Triebschicksal verankert, das bedeutet eine Disposition erworben aber keine Determination.\n\nDer Unterschied zwischen Disposition und Determination erlaubt einen Einblick in die Komplexität des Themas. Denn viele Männer die im späteren Verlauf ihres Lebens homosexuell leben, verfolgten als Teenager heterosexuelle Beziehungen. Genauso wie zwei Jungs eine homosexuelle Beziehung im Jugendalter verfolgen können und später ausschliesslich heterosexuelle Beziehungen eingehen. Die verschiedenen Konstellationen und Schicksale sind zahlreich. Sie drängen der Frage nachzugehen: Wann ist ein Mann homosexuell?\n\n\"Es wird einer dann zum Homosexuellen, wenn er sich selbst eingestehen kann, dass er homosexuell ist, dass heisst, \"seine Identität durch ein inneres Wissen erwirbt\"\" (Dannecker, Reich, 1974, S. 32).\n\nDieses Zitat dient uns ebenfalls bei der Erkundung des Begriffs Coming Out. Es beschreibt das \"innere\" Coming Out. Das \"äußere\" Coming Out, bezeichnet das Coming Out in der Öffentlichkeit, das Coming Out welches am nächsten verwandt mit dem ursprünglichen Coming Out aus der Einleitung ist. \n\n"},{"_id":"4941efe4e900091957000051","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":706118,"position":2,"parentId":"491b8180eb7f8afd7300004c","content":"Das Innere Coming Out\n\nEs ist schwierig ein psychologischen Prozess wie das \"Coming Out\" zu unterteilen. Unzählige Interaktionen zwischen dem \"äußeren\" und dem \"inneren\" sprechen dagegen. Dennoch, denke ich, kann das \"äußere\" nur verstanden werden, wenn die Problematik des \"inneren\" bewusst ist. Dieser Abschnitt nährt sich hauptsächlich aus der Perspektive von Dannecker und Reich im Jahre 1974. "},{"_id":"4941f056e900091957000052","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":729593,"position":1,"parentId":"4941efe4e900091957000051","content":"\nErstes Aufflackern der Triebrichtung\n\nHirschfeld (1920) befragte 500 homosexuelle Männer nach \"dem ersten Auftreten gleichgeschlechtlicher Regungen\". 54% der Befragten lagen im Altersbereich zwischen 4 und 13 Jahren. Die Psychoanalyse, ging laut Dennecker und Reich, von einer \"Genesis\" der Homosexualität in der prä-ödipalen Phase aus. Die Befragten unterliegen dabei der Macht ihrer eigenen Narrative. Tendenziell wird die erste bewusst wahrgenommene Regung als Ursprung erkannt und mit Wichtigkeit geladen. \"Auch dann, wenn die ersten homosexuell gefärbten Objektbeziehungen nicht lange vor dem Ausbruch der Pubertät angesiedelt werden.\" (Dannecker, Reiche, 1974, S. 35) Die hohe Motivation einen lückenlosen, homosexuellen, Narrativ zu gestalten, stammt aus dem Gefühl, über ihre sexuelle Orientierung Rechenschaft abgeben zu müssen. Die Konsequenz ist ein glatt gebügelter Narrativ, der dem Bewusstsein eine Kontinuität zugestehen soll. Dabei sind wohl Phasen der Ungewissheit die Norm, und überdauern häufig mehrere Jahre. Mit 16 Jahren stellten sich erst zwei Drittel die Frage ob sie homosexuell seien. Mein Eindruck ist, dass diese Frage von vielen vermieden wird, bis sie nicht mehr vermieden werden kann. Der nächste Schritt ist ein umschreiben des eigenen Narrativs. Die Spätentwickler, damit sind diejenigen gemeint die erst spät ihre Homosexualität erkennen, verdrängen die unsichere Phase und erleben die Entwicklung (die in der Regel Jahre dauert) von der ersten Idee bis zur subjektiven Gewissheit, im Schnelldurchlauf. Die Umschreibung des Narrativs macht es möglich. Andere sehen die homosexuellen Kontakte als pubertäre Verirrung, bis diese Abspaltung nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. \n\nErste Homosexuelle Kontakte\n\nBereits im Alter von 16 Jahren, können 50% der Befragten auf homosexuelle Kontakte zurückblicken. Mit 20 Jahren sind es mehr als 80%. Durchschnittlich geht die erste Idee dem ersten Kontakt zeitlich vorraus. 20 % der Befragten erschliessen eine eigene Gruppe, sie gaben an, dass der erste Kontakt der ersten Idee, vorrausging. Die ersten Kontakte dieser Gruppe, so Dannecker und Reiche (1974), laufen nahezu Konfliktlos ab. Konfliktlos, weil sie die eigene sexuelle Orientierung effektiv abspalten können. Sie sind noch \"normal\", nicht anders als der Rest der Gesellschaft. 18 % von befragten Studenten haben im Alter zwischen 12 und 18 homosexuelle Erlebnisse, ebensoviele haben heterosexuelle Erlebnisse. Kein Grund zur Sorge.\nDer erste homosexuelle Kontakt wird von vielen als etwas Fremdes, als pubertäre Verirrung oder Spielerei angesehen. Auf die Frage: \"Würden Sie den ersten Sex mit einem Mann, von Ihrer heutigen Erfahrung aus betrachtet, als homosexuelles Sexualerlebnis bezeichnen?\" antworteten 36% der Befragten mit \"Nein\". Objektiv gesehen unterscheidet sich das Sexualerlebnis nicht mit den späteren als homosexuell angesehenen Sexualerlebnissen. Der Unterschied liegt im Fortschritt des inneren Coming Outs. Je weiter fortgeschritten das Coming Out ist, desto leichter werden Sexualerlebnisse auch als homosexuell angesehen. Die sexuellen Erfahrungen die auch im nachhinein als homosexuell angesehen werden, dürften, laut Dannecker und Reiche (1974), affektiv gefärbt sein, und nicht nur bloße körperliche sexuelle Verrichtungen.\n\nEin bedeutender Unterschied zwischen der Entwicklung von Heterosexuellen zu Homosexuellen ist, dass die Entwicklung bei Homosexuellen in Sprüngen stattfindet. Bei Heterosexuellen ist eine kontinuierliche Steigerung zu beobachten. Die Mühelosigkeit in der homosexuelle Erfahrungen stattfinden, lässt viele, auch später ausschliesslich Heterosexuelle, solche Erfahrungen sammeln. Die frühen homosexuellen Kontakte finden in der Regel vor der Einheit von Bewusstsein und Trieb statt. Dadurch können sie pubertäre Verirrungen sein und bleiben, für andere ... mehr.\n\nSubjektive Gewißheit\n\nDer Weg von der ersten Idee über die eigene Homosexualität (16,4 Jahre) bis zur subjektiven Gewissheit (19,4 Jahre), dauert im Durchschnitt 3 Jahre. Im Alter von 20 Jahren gelang es 32% immer noch nicht ihre Triebrichtung anzunehmen. Selbstzweifel mischen oder entspringen der Hoffnung doch heterosexuell zu sein, und wenn nicht heterosexuell dann bisexuell. Die Bisexualität bietet einen Ausweg: die Theorie der \"allgemeinen Bisexualität\" besagt, dass ohne externe Einwirkungen alle Menschen bisexuell wären. Der Homosexuelle kann diese Theorie benutzen und den Eindruck der Anderen ins positive drehen, da er die Zwangsheterosexualität überwunden konnte. \nDer individuelle Umgang mit der Gewißheit über die eigene Sexualität ist oftmals kein \"aufblühen\" wie man es sich wünschen würde, sondern eher eine Resignation. Der Kampf zwischen den internalisierten Normen und den Triebwünschen resultiert, in diesem Szenario, nicht in einer Aktualisierung der Normen, sondern in der Aufgabe ihnen zu entsprechen. Der Homosexuelle, der jetzt zum ersten mal den homosexuellen Kontakt als Teil von ihm selbst erleben könnte, ist geplagt mit Gewissensbissen und Schuldgefühlen. Faktoren wie Erziehungsstil und Umfeld spielen dabei die größten Rollen. \n\nPositiv auf die Entwicklung und auf die Gewißheit wirken Gespräche mit anderen Homosexuellen. Oft ist es die erste Erfahrung als Homosexueller geschätzt zu werden. Diese Erfahrung konnte, in der Regel, nur mit anderen Homosexuellen gemacht werden. \"Nur 10% wagten es in dieser Phase ihrer Entwicklung, Vater oder Mutter, von ihrer Homosexualität zu unterrichten; weitere 6% informierten ihre Geschwister\" (Dannecker, Reichen, 1974). \n\nDas Verheimlichen der eigenen Triebrichtung im Alltag hinterlässt einigen Homosexuellen eine Tendenz, die beim Eintritt in die homosexuelle Subkultur sich entfaltet: Eine Spaltung des Menschen in eine offizielle, heterosexuelle Person und eine inoffizielle, homosexuelle Person. Der Unterschied zu vorherigen Entwicklungsphasen ist, dass die Trennung bewusst passiert. Wo vorher unbewusste Anpassung war, arbeitet jetzt unauffäliges Taktieren.\nDer Homosexuelle sieht sich also durch die feindlich gesinnte Umgebung gezwungen, einen Teil ihrer selbst zur \"Persona non grata\" zu erklären.\n\nHerauskommen aus der Isolierung - Hineingehen in die Isolation\n\nErst mit durschnittlich 21,5 Jahren fangen die Befragten an freundschaftliche Kontakte zu anderen Homosexuellen zu führen. Diese Phase folgt (wieder) zwei Jahre nach der vorherigen, der Phase der subjektiven Gewissheit. \"Wenigstens bruchstückenhaft muss eine Selpstabkzeptierung gelungen sein. Vorher besteht keine Aussicht, in einer psycho-sozialen Situation zu bestehen, deren auffallendstes Merkmal die Verabsolutierung der Dimension der Sexualität ist.\" (Dannecker, Reich, 1974, S. 63). Der Prozess des \"Coming Out\" ist erst mit der Aufnahme sozio-sexueller Kontakte zu anderen Homosexuellen abgeschlossen. Erst durch den Kontakt kann die partielle Abweichung aus dem Normen- und Wertgefüges der Gesellschaft aufgefangen werden. Die folgende Entwicklungen des Homosexuellen sind im Vergleich unwesentlich. Er wird an den \"kollektiven homosexuellen Überbau\" angeschlossen und ist aus der individuellen Isolation befreit."},{"_id":"495ba087ebd5f12b76000053","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":730762,"position":3,"parentId":"491b8180eb7f8afd7300004c","content":"Das \"Äußere\" Coming Out\n\nIn diesem Abschnitt wagen wir einen kleinen Zeitsprung um ca. 30 Jahre in die Zukunft. Vieles hat sich in den Jahren verändert, Einiges ist gleich geblieben. Die wahrscheinlich größter Veränderung die den Coming Out Prozess beeinflusst war, mit Sicherheit, das Internet. Viele der angesprochenen Herausforderungen die Homosexuelle in den 70ern belasteten sind in der heutigen Zeit nicht mehr gegenwärtig. Egal wie abgeschnitten man von dem Rest der Welt ist, wie klein und konservativ das Dorf ist, solang es eine Internetanbindung hat, kann man mit anderen Homosexuelle Kontakt aufbauen. Natürlich soll das nicht den persönlichen Kontakt ersetzen, aber es löscht das anfängliche Gefühl alleine anders zu sein. Man kann nicht nur in persönlichen Kontakt treten, sondern auch berühmte, erfolgreiche homosexuelle Vorbilder finden, die den Prozess zur eigenen Akzeptanz vereinfachen dürften. \nDas Buch, \"Coming Out\" von Volker Woltersdorf (2005) dient mir als Vorlage für diesen Abschnitt. Der Untertitel \"Die Inszenierung schwuler Identitäten zwischen Auflehnung und Anpassung\" gibt uns schon einen ersten Hinweis auf die veränderte Perspektive die 30 Jahre mit sich brachten. Es handelt von der \"Inszenierung\" der schwulen Identität. Inszenierung bedeutet die öffentliche Darstellung von etwas, häufig ein Theaterstück oder eine Oper. Im diesem Fall ist aber die Selbstinszenierung gemeint, die Selbstdarstellung, die Darstellung der eigenen Person in der Öffentlichkeit. Das Buch dreht den Fokus vom inneren Coming Out auf das Äußere. \n\n"},{"_id":"4968ab70540911342f000054","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":731218,"position":1,"parentId":"495ba087ebd5f12b76000053","content":"Zwischen Verstecken und Zeigen\n\nHomosexualität gilt nicht mehr als Verbrechen und auch nicht mehr als Krankheit. Die Problematik homosexuell zu sein hat stark abgenommen. Dennoch gibt es Themen die es Homosexuellen nach wie vor schwer macht, besonders in der Interaktion mit der Gesellschaft. Und solange wir in einer heteronarrativen Gesellschaft leben, liegt der Homosexuelle in einer Art \"Bringschuld\" den Unterschied von sich zur Gesellschaft zu erklären.\n\nDannecker und Reiche (1974) redeten von einer Abspaltung der Homosexualität die zur Persona non grata erklärt wurde. Heutzutage ist es nicht mehr notwendig diese Seite soweit zu verheimlichen, es ist aber dennoch privat. Jeder kann, und viele machen es, an einem Spiel teilnehmen. Das Spiel herauszufinden welche sexuelle Neigung jemand, den man nicht gut kennt, hat. Die Homosexuellen müssen daran teilnehmen, sie haben die Schwierigkeit, dass die Mehrzahl an Männern nicht als sexueller oder romantischer Partner in Frage kommt. Der Rest macht dies aus Interesse, aus Neugier, die tief in die Privatsphäre einer Person eindringen will. Vermutungen werden gemeinsam ergründet, er ist schwul weil .... er ist hetero weil..\nDie Gründe sind dabei abenteuerlich und oft schwanger mit wertenden Beobachtungen. Es gleicht einem kleinen Spektakel: Freunde, Bekannte, Familienmitglieder reihen sich gehorsam in die verschiedenen Schubladen die ihre Reaktion diktieren soll. Überraschung, Akzeptanz, Zuspruch, Empörung, Ignoranz, Enttäuschung und viele mehr, jede wiederum versehen mit kleinen Nuancen die zart an jedem ungeübten Ohr vorrüber gehen. Die Ursache für diese Neugier ist die Abweichung von der heterosexuellen Norm der Gesellschaft. Dieser \"Willen zum Wissen\" zwingt den Homosexuellen die Abweichungen zur Norm zu erläutern, und ohne den Prozess aufhalten zu können, zu seiner Identität gemacht werden. In dem der Homosexuelle diesen Erwartungen folgt unterwirft er sich seinen Zuhörern. \nFolgt er den Erwartungen nicht, dann bekommt er gewissen Stempel aufgedrückt, die von verklemmt bis hin zur Teilnahme an \"typisch homosexuelle Praktiken\" reichen, über die sie selber nicht zu sprechen wagen. Der Homosexuelle wird dadurch in die Rolle des Aussenseiters in der \"heteronarrativen Ordnung\".\n\nDer Coming Outler kann die Erwartungen der Zuhörer umgehen, in dem er die \"Diskurstraditionen\" bricht und neue Möglichkeiten findet über sich und seine Sexualität zu reden.\n\nDie Schwierigkeit liegt weniger in der Frage, wie erzählt man den Anderen von der eigenen Homosexualität, als darin, wie erzählt man den Anderen von der eigenen Homosexualität, ohne dass die eigene Identität darauf reduziert wird. Es bleibt nicht nur bei der Reduktion auf die Sexualität, viel mehr bietet sie dem \"Normalen\" eine Projektionsfläche, all die Vorurteile an einen Menschen zu heften.\n\nWoltersdroffs (2005) Fazit ist ambivalent. Das Ausbilden einer Identität ist ein narzisstischer Triumph und eine narzisstische Kränkung zugleich. Er sieht den Prozess des Coming Out als gemeinschaftliche Bewegung gegen das Verlangen zur Normalisierung. Eine Konsequenz davon ist, dass Teile der homosexuellen Subkultur zur Übertreibung der ihnen entgegengebrachten Vorurteile neigen. Treffend wurde das in dem Musical \"La cage au folle\" in Bonn (ein Käfig voller Narren) inszeniert, in dem ein homosexuelles Paar ein Nachtclub mit Drag-Programm betreibt und sich, vor der nächste Showeinlage, zum Publikum dreht und sagt: \"[...] all Ihre Phantasien, Vorurteile und Gerüchte. Wir werden uns bestes geben diese zu übertreffen.\""},{"_id":"496958fa540911342f000055","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":716743,"position":4,"parentId":"491b8180eb7f8afd7300004c","content":"Aids als Zäsur\n\n\"Der Junimorgen veränderte sämtliche Regungen. Wenn man mit schönen Männern sprach, trat man ein paar Zentimeter zurück, nahm sie mit Entsetzen wahr. Die begehrten, die interessanten Menschen konnten die Todesengel sein.\" (Spiegel, 1983)\nDie gewonnen Freiheiten wurden wieder bedroht. Die Homosexuellen hatten sich Freiräume erkämpft sich über Mode, Musik, Travestie zeigen durfte. Mit dem Einbruch von Aids wurden, nicht die Homosexualität als Krankheit, aber die Homosexuellen als gefährlich Kranke eingestuft. Einige Homosexuelle mussten eine zweite Coming Out Phase einräumen. Ein Coming Out was wie bei der Offenbarung der eigenen Sexualität erhebliche Nachteile mit sich bringen könnte. \n\nDie Sexualwissenschaftler sind sich uneinig ob Aids einen negativen oder positiven Einfluss auf die Stellung der Homosexuellen in der Gesellschaft hatte. Die Safer-Sex Kampagnen erleichterten es über Sexualität und besonders über schwule Sexualität zu sprechen. Andere sehen in Aids sogar einen Moment der Normalisierung genährt durch das Mitleid der Gesellschaft. "},{"_id":"49925039bbff882421000057","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":731567,"position":4.5,"parentId":"491b8180eb7f8afd7300004c","content":"Meine Ansichten (working title)\n\nStark Verkürzt beschrieben ist der \"Coming Out\" Prozess erstens die Integration von Eigenschaften die konträr zu der Norm der Gesellschaft sind, und zweitens die Inszenierung der Selbigen. Die Homosexualität zählt dazu, weil wir in einer heteronormativen Gesellschaft leben. Allerdings zählen, in den Augen der Gesellschaft, auch andere Dinge als unnormal und benötigen ebenso den Coming Out Prozess bevor ein konfliktloser Umgang möglich ist. Ein Junge, dessen Familie seit 10 Generationen Ärzte sind, macht beispielsweise einen ähnlichen Prozess durch, wenn er lieber Flötist werden möchte. Einige Familien haben bestimmt auch Vorurteile gegenüber Flötisten. Der Unterschied liegt eher darin, dass es eine Familieninterne Thematik ist und dadurch nicht ein so hoher Druck aufgebaut werden kann, als wenn der Rest der Gesellschaft gleicher Meinung ist.\n\nHeutzutage ist jegliches Coming Out einfacher. Das Internet bietet uns ohne großen Aufwand eine Plattform auf der jeder mit Leichtigkeit Gleichgesinnte finden kann. Ob es sich um ein Berufswechsel oder einen Fetisch handelt ist dabei relativ egal, im Internet findet man jemanden der ein Buch darüber geschrieben hat. Nichtsdesto trotz muss es schwierig sein für Menschen die in so Grundsetzlichen Eigenschaften, wie der Sexualität, sich von der Norm unterscheiden. Auch heute noch, bei jungen Leuten, beobachte ich immer wieder eine passive homophobe Einstellung. Ob es der Student ist, der sagt: \"mir ist es egal ob jemand schwul ist, solange sie sich nicht vor mir zeigen\". Oder die Familienmitglieder die sich nur nach den heterosexuellen Partnern ihrer Kinder erkundigen. Auch in politischen geschehen ist es beobachtbar, solange der Homosexuelle gewisse Vorurteile erfüllt, ist es kein Problem. Diese Schablone, die für Homosexuelle bereit steht lässt sich überspitzt gesprochen als Clown bezeichnen. Wenn einer diese Schablone nicht mehr bedient, wird er bekämpft: Guido Westerwelle war der dritte deutsche homosexuelle Spitzenpolitiker aber der erste der seinen Partner auch auf öffentlichen Veranstaltungen mitnahm. Zeitgleich wurde sein Erfolg als Politiker weniger.\n\n\n\n \n\n"},{"_id":"4969984c540911342f000056","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":730772,"position":5,"parentId":"491b8180eb7f8afd7300004c","content":""},{"_id":"49333f9fc82bd2bcbd000056","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":684299,"position":1.875,"parentId":null,"content":"Coming Out 2005"},{"_id":"49334024c82bd2bcbd000057","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":684300,"position":1.9375,"parentId":null,"content":"Diskussion"},{"_id":"4933a63dc82bd2bcbd00005a","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":696022,"position":1.96875,"parentId":null,"content":"Literaturverzeichnis:\n\nKarl Heinrich Ulrichs: „Gladius furens“: das Naturrätsel der Urningsliebe und der Irrtum als Gesetzgeber: eine Provokation an den deutschen Juristentag. sechste Schrift über mannmännliche Liebe. Max Spohr, 1898\n\nSchlegel, W.S., (). Die Sexualinstinkte des Menschen.\n\nHirschfeld, M., (1920). Die Homosexuaität des Mannes und des Weibes. Berlin."},{"_id":"4941e11ee900091957000050","treeId":"53f5efa7500b17af1e4007a1","seq":731268,"position":1.984375,"parentId":null,"content":"\"Kein Mensch wird heutzutage ungestraft homosexuell\" (Dennecker, Reiche, 1974, S. 33)\n\n\nDennoch sind dadurch nicht alle Coming Out Probleme beseitigt, die Neugier, der \"Willen zum Wissen\" konzentriert sich stark auf die Konflikte mit der Gesellschaft die sich um sexuelle Themen drehen. Dabei geht es auch nicht um bloße Neugierde, sondern um herauszufinden in welche Schublade ein Mensch gesteckt werden sollte. Diese Schubladen beinhalten Vorurteile. Im kleinen kenne ich das Gefühl unpassenden Vorurteilen ausgesetzt zu sein, seltsamerweise erkennen mich einige Menschen als arroganten Macho und einige als Homosexuellen. Beide Kategorien fühle ich mich nicht zugehörig und beide bereiten mir ein unangenehmes Gefühl. Als \n\n"}],"tree":{"_id":"53f5efa7500b17af1e4007a1","name":"Psychoanalyse: Coming out","publicUrl":"psychoanalyse-coming-out"}}